Der Sommer – manchmal eine Herausforderung

 

Das Sommerekzem ist eine häufige allergische Hauterkrankung bei der die betroffenen Pferde starken Juckreiz zeigen. Der Juckreiz entsteht durch eine Überreaktion auf Insektenbisse – und zwar genauer gesagt auf den Speichel von zwei verschiedenen Insektenarten: Kriebelmücken und Gnitzen. Die Erkrankung kann für Pferde äußerst unangenehm werden, aber du kannst deinem Pferd durch gezielte Maßnahmen helfen, den Sommer ohne große Beschwerden zu überstehen.

Symptome bei Sommerekzem

Die Symptome des Sommerekzems können von Pferd zu Pferd variieren, aber typischerweise zeigt ein Ekzemer starken saisonalen Juckreiz an Mähne, Schweifansatz und Bauchnaht, denn hier ist die Haut durch die senkrecht stehenden Haare besonders von Insektenbissen geplagt. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  1. Juckreiz: Das betroffene Pferd kratzt und scheuert sich auffällig stark, anfangs vor allem an Kopf, Mähne und Schweif. Der Juckreiz kann sich aber auch weiter ausbreiten, z.B. auf Hals und Bauch.
  2. Rötung und Schwellung: Die Haut kann gerötet und geschwollen sein, im Anfangsstadium sieht man manchmal Bläschen, später eher Krusten und Schuppen.
  3. Haarausfall: Übermäßiges Kratzen kann zu Haarausfall führen, es entstehen kahle Stellen, ledrig aussehene Hautbezirke und teilweise auch blutende Wunden.
  4. Verdickte Haut: Chronischer Juckreiz kann zu verdickter und schuppiger Haut führen. Besonders am Mähnenkamm bilden sich in chronischen Fällen harte, wulstige Falten.
  5. Sekundäre Infektionen: Durch das Kratzen und Scheuern können offene Wunden entstehen, die anfällig für bakterielle Infektionen und Hautpilz sind.

 

 

Die Diagnose

Die Diagnose des Sommerekzems basiert in erster Linie auf den klinischen Symptomen und dem zeitlichen Zusammenhang mit Insektenstichen. Manchmal müssen auch noch andere Ursachen, wie z.B. ein Befall mit Ektoparasiten ausgeschlossen werden. Aber es gibt nicht den einen Bluttest oder die eine Hautprobe, die beweist: das ist Sommerekzem.

 

Die Therapiemöglichkeiten bei Sommerekzem

–  in drei Schritten zu weniger Juckreiz

 

Deine Wichtigste Aufgabe als Besitzerin eines Ekzemers ist es, dein Pferd vor den Insektenstichen zu schützen! Denn sie sind der Auslöser für den massiven Juckreiz.

1. Schritt: Insektenschutz

  • Verwende eine Ekzemerdecke, damit dein Pferd weniger gestochen wird. Denke daran, dass vor allem Kopf/Mähne, Schweifrübe und Bauchnaht (inkl. Euter oder Schlauchtasche) geschützt werden müssen. Eine „normale“ Fliegendecke, bei der Bauch, Hals und Schweifrübe frei liegen reicht in der Regel nicht aus!
  • An Ohren, Bauch, Euter und Schlauchtasche kannst du zusätzlich eine „mechanische Barriere“ aufschmieren. Zum Beispiel mit Melkfett, Zinksalbe und Tonerde. Hauptsache die Kriebelmücken können nicht hindurch stechen.
  • Vermeide es, dein Pferd in der Dämmerung auf die Wiese zu stellen, denn in den frühen Morgen- und Abendstunden sind die Insekten am aktivsten. Zu diesen Zeiten sind die Pferde im Stall meist glücklicher.
  • Kriebelmücken hassen Wind! Denn sie sind keine guten Flieger. Durch einen Ventilator auf der Stallgasse kannst du die Insektenbelastung für dein Pferd deutlich verringern und ich kenne Pferde, die sich sehr gerne stundenlang vor den (natürlich ponysicher aufgebauten) Ventilator stellen.
  • Fliegensprays und co. enthalten entweder abschreckende (repellierende) Stoffe wie z.B. DEET oder Citronellaöl, die meist nur wenige Stunden schützen oder aber echte, Insekten abtötende Insektizide (z.B. Permethrin). Die Insektizide wirken meist mehrere Tage bis Wochen, sind aber für viele Organismen giftig und sollten stets mit Bedacht eingesetzt werden!

Nicht jedes Pferd braucht alle diese Maßnahmen, aber je stärker das Ekzem ausgeprägt ist, desto eher solltest du verschiedene Maßnahmen zur Insektenabwehr kombinieren.

 

2. Schritt: Die Hautbarriere stärken und Juckreiz lindern

  • Salben, Cremes oder Sprays, die Kortikosteroide enthalten, können dabei helfen, die juckende und entzündete Haut schnell zur beruhigen. Für eine Langzeittherapie sind sie jedoch nicht so gut geeignet.
  • Um die Haut langfristig zu pflegen und die Hautbarriere zu stärken haben sich Produkte bewährt, die einen oder mehrere der folgenden Wirkstoffe enthalten: Omega3/6-Fettsäuren, Benzyl Benzoate, Allantoin, Glycerin, Panthenol. Es gibt eine schier unendliche Vielfalt an Produkten zu kaufen – und nicht jedes hilft bei jedem Pferd gleich gut. Es lohnt sich manchmal, verschiedene Lotionen auszuprobieren.
  • Das Verfüttern von ungesättigten Fettsäuren, zum Beispiel in Form von Leinsamen oder Leinöl kann sich positiv auf die Haut auswirken.
  • Auch eine Desensibilisierung hilft manchen Pferden, denn dabei wird das Immunsystem des Pferdes über einen längeren Zeitraum immer wieder mit winzigen Mengen der allergieauslösenden Insektenspeichelproteine konfrontiert. So wird dem Körper gewissermaßen „abzugewöhnt“, überschießend darauf zu reagieren und der Juckreiz nach Insektenbissen lässt nach.

 

3. Schritt: Verbesserung von Fütterung und Umgebungsmanagement

  • Obwohl grundsätzlich bei jeder Pferderasse ein Sommerekzem auftreten kann, fällt in der Praxis schon auf, dass viele Ekzemer zu den eher „genügsameren“ Rassen gehören. Ponys und Isländer aber auch Araber und Spanier, die leichtfuttrig sind und zu Übergewicht neigen scheinen häufiger Juckreiz zu haben als andere Pferdetypen. Der Stoffwechsel sollte also auch aus diesem Grund nicht durch Überfütterung und Übergewicht strapaziert werden. Die Ration sollte deshalb (ganz besonders, wenn der Verdacht von EMS = metabolischem Syndrom besteht!) weder zu viel Energie (Stärke, Zucker) noch zu viel Eiweiß enthalten, gleichzeitig aber genügend Mikronährstoffe. Wichtig für eine gesunde Haut ist dabei besonders das Spurenelement Zink und die Versorgung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omega 3/6).

 

  • Zum Umgebungsmanagement gehört neben dem Aufstallen in der Dämmerung und dem Einsatz von Ventilatoren auch, den Entwicklungsstadien der Insekten möglichst keine „Brutstätte“ zu liefern. Kriebelmücken legen ihre Eier immer in der Nähe von Gewässern ab, denn die Larven brauchen Wasser und feuchtes Substrat. Zwar können wir Bäche und Flüsse nicht großräumig umleiten, aber je weniger Fließgewässer, Tümpel, Teiche, Moraste und Regentonnen in der Nähe sind – desto besser. Weideflächen, die weit entfernt sind von Gewässern und dann möglichst noch windig gelegen sind, wären optimal.

 

Insgesamt erfordert die Behandlung von Sommerekzem beim Pferd ein individuelles und ganzheitliches Management, das die Bedürfnisse des einzelnen Tieres berücksichtigt. Durch eine Kombination aus präventiven Maßnahmen, medizinischer Behandlung und guter Pflege kannst du als Besitzerin ganz aktiv dazu beitragen, deinem Pferde den Sommer so angenehm wie möglich erleben, selbst wenn sie mit Sommerekzem zu kämpfen hat.